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Ein Duft,
der besoffen macht
Früher
hausten sie den Nibelungen gleich in der Unterwelt. Schwarz
beschürzt hüteten sie die flüssigen Schätze des Kellers.
Gäste bekamen sie nie zu Gesicht. Erst in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts, zu Zeiten von César Ritz und Prince
Edward, als es in den europäischen Metropolen und Kurorten
üblich wurde, auch zu zweit oder zu viert öffentlich zu
speisen, holte man sie als „Schürzenkellner“ in den Saal.
Seither waren die Sommeliers auch für den Weinservice im
Restaurant zuständig.
Bedeutende
Sommeliers waren solche, die in aller Bescheidenheit ein Leben
lang im Dienste eines Hauses standen und über einen immensen
Erfahrungsschatz verfügten. Es gab nur wenige von dieser Sorte
und sie waren hoch angesehen. Heute ist diese Profession zum
Modeberuf geworden, in dem Restaurantfachfrauen/männer bereits
auch in jungen Jahren schnell zu medialem Ruhm gelangen können.
Da aber in fünf oder zehn Jahren Berufspraxis trotz aller
Weinakadamien und Viniversitäten, trotz Wettbewerben und
Schulungen aus einem jungen Fuchs noch kein alter Dachs wird,
bemächtigen sich viele Sommeliers auch anderer Sujets zur
Selbstdarstellung und lassen sich dabei allzu gerne von der
Zulieferindustrie vor den Karren spannen. Gegen Bares oder
Naturalien versteht sich.
So
gibt es gibt Käse-Sommeliers, Zigarren-Sommeliers,
Wasser-Sommeliers, Tee- und Kaffee-Sommeliers oder auch Obst-Sommeliers. Auch als
Moderatoren, Reiseleiter oder Zeitungskolumnisten sind viele von
ihnen inzwischen sehr erfolgreich. Hendrik Thoma, der medienerfahrener Master-Sommelier des vornehmen Hotels Louis C
Jacob in Hamburg, hat jetzt ein weiteres Betätigungsfeld
entdeckt. Für die „Welt am Sonntag“ testete er Parfüms und
beschreibt sie mit dem typischen Vokabular der Weinpoeten.
Hier einige Kostproben: "Beachlife,
Passionsfrucht und Kokos. Dieser Duft ist sehr karibisch, laut
und auch extrem provokant“ (über Miami Glow by J.Lo), "ein Duft,
der besoffen macht. Ganz eindeutig ein Gin Tonic, gemixt mit
Bombay Saphire Gin. Außerdem kommt eine jodig-salzige Note
durch“ (über First Eau de Toilette pour l'Été 2005 - Van Cleef &
Arpels) oder "sehr prägnant, ein wenig holzig, der Duft von
Akazienblüten. Allerdings im ersten Moment auch ein wenig
stechend“ (über Cerruti 1881 Eau d'Été).
Was
für eine tolle Idee: Der Parfüm-Sommelier, der die weiblichen
Gäste berät, welches Eau de Toilette am besten zum Chardonnay
passt oder umgekehrt und den Herren sagt, welches Rasierwasser
am besten mit dem „California Cab matched“. Der Sommelier als
„Rund um sorglos Lifestyle Berater“ für eine Klientel, die
keinen eigenen Geschmack mehr besitzt. Hofnarrren der
Gourmetsnobiety.
Mario Scheuermann
Hier geht es zu den früheren Editorials
von degustation.de:
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VDP-Vorpremiere - Grosse und Erste Gewächse
Zum zweiten Mal haben in
Wiesbaden die deutschen Prädikatsweingüter (VDP)
ihre Weine der „Grand Cru“-Liga der
internationalen Fachwelt vorgestellt. Die
Resonanz auf diese Vorpremiere war erneut
beachtlich, Die Organisation vorbildlich. Es
gibt wenige vergleichbare Fachverkostungen, die
so gute Arbeitsbedingungen bieten. In zwei Tagen
konnten in den Kurhauskolonnaden unter
Ausschluss der Öffentlichkeit rund 230 Weine aus
104 Weingütern und 154 Lagen verkostet werden,
die nach den jeweils regionalen Kriterien als
Erstes Gewächs, Grosses Gewächs oder Erste Lage
klassifiziert sind. Die Zahl der angereisten
Verkoster lag rund 30 Prozent über der des
vergangenen Jahres. Vor allem die Zahl der
ausländischen Fachleute war bemerkenswert und
zeigt, dass das Konzept Erstes Gewächs
allmählich auch ausserhalb der Landesgrenzen zu
greifen beginnt. Man darf davon ausgehen, dass
der mediale Nachhall noch vernehmlicher sein
wird als 2004. Ob dieser allerdings so positiv
ausfallen wird wie vor einem Jahr, als der die
Weine des Extremjahrgangs 2003 auf dem Prüfstand
standen und doch für einige Überraschungen
sorgten, ist allerdings nach einer ersten
Einschätzung nicht zu erwarten. Der Jahrgang
2004 offenbarte nämlich bei dieser Veranstaltung
gnadenlos seine Schwächen. Er ist weit davon
entfernt der „hervorragende, klassische
Jahrgang“ zu sein als der er von vielen
Erzeugern angepriesen wird.
Kommentare und
Bewertungen
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VDP-Vorpremiere - Grosse und Erste Gewächse
Erstmals fand in
diesem Jahr eine offizielle Vorpremiere für die
Grossen und Ersten Gewächse des Jahrgangs 2003
statt. Der VDP präsentierte im Kurhaus in
Wiesbaden diese höchste deutsche Weinklasse
exklusiv für die
Fachpresse sowie ausgesuchte Sommeliers und
Händler. Bei der zweitägigen Klausurdegustation
unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden rund
230 klassifizierte Weine aus allen wichtigen
Anbaugebieten erstmals vorgestellt. Neben
fast allen namhaften deutschen Weinautoren fanden sich in
Wiesbaden auch zahlreiche profilierte
internationale Schreiber ein wie Michel Bettane
(La Revue du Vin de France), René Gabriel (Weinwisser,
Schweiz), Peter Moser (Falstaff, Österreich),
Jan van Lissum (Proefschrift, Holland), Elsebeth
Lohfert (Vinbladet, Dänemark). Eine breite
internationale Resonanz dürfte dem VDP damit
zumindest in Europa sicher sein.
Der VDP folgte mit
dieser Veranstaltung dem Beispiel der Union des Grands Crus aus
Bordeaux und den drei grossen Weinkonsortien der
Toskana, die schon seit Jahren ihre jeweiligen
Jahrgänge exklusiv der Fachwelt vorab
vorstellen. Michael Prinz zu Salm-Salm,
Präsident der Prädikatsweingüter: „Die
beachtliche Resonanz dieser Veranstaltung bringt
den VDP seinem Ziel, die Ersten und Grossen
Gewächse auch auf den internationalen Märkten zu
etablieren, ein kräftiges Stück weiter. Auch die
zahlenmäßige Entwicklung der Grossen Gewächse,
Ersten Gewächse und Erste Lage Weine verläuft
ganz nach unserem Wunsch. Wurden vom Jahrgang
2002 189 Weine aus 96 Weingütern erzeugt, so hat
sich die Zahl im Jahrgang 2003 auf 237 Weine aus
110 Gütern gesteigert.“
Kommentare und Bewertungen
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Jahrhundertjahrgang von Parkers Gnaden?
Schwamm drüber!
Nach dem verpatzten 2000er, der ein
eher unrühmliches Schlusskapitel für die Annalen des 20.
Jahrhunderts im deutschen Weinbau, schrieb, dürfen sich Deutschlands Winzer zum
Start des neuen Jahrhunderts bzw. Jahrtausends mit dem 2001er über einen
veritablen Jahrgang freuen.
Ein
Jahrhundertjahrgang ist es aber sicher nicht. Auch nicht "einer der feinsten der
letzten 100 Jahre" wie Parker-Adlatus Pierre-Antoine Rovani etwas voreilig in
die Welt posaunte. Da sind noch andere grosse und grössere Jahrgänge neben und
vor ihm: 1911, 1920, 1921, 1934, 1937, 1945, 1949, 1953, 1959, 1967, 1971, 1983,
1990. Ich sehe den 2001er hier nichtmal
unter den Top Ten sondern eher an der Spitze der zweiten Garnitur.
Wer diese
wirklich grossen Jahrgänge nicht oder kaum kennt, sollte schweigen, ehe er solchen Unsinn der
abgehobenen Art verzapft wie Rovani. Der beste Jahrgang der letzten beiden
Dekaden hätte auch gereicht. Um sich ein solches apodiktisches Urteil anmassen
zu können, müssten Parker und Rovani sich erstmal wirklich gründlich mit
deutschen Weinen auseinandersetzen. Angeblich sind sie auf Druck einiger
Importeure dabei dies zu
tun, in grosser Hektik und wenig systematisch wie man hört. In diesem Punkt
setzt Parker für die Staaten keinen Trend, sondern läuft ihm hinterher.
Das Deutschland-Kapitel des neuen, soeben in den USA veröffentlichen Parker
Guides lässt auch keine Vertiefung des Wissens über deutsche Weine erkennen. Keiner der haarsträubenden Fehler der
letzten Ausgabe wurde darin korrigiert. Halten
wir den amerikanischen Weinpäpsten einfach zugute, dass für sie das Jahrhundert
weniger Jahre hat, also einfach eine kürzere Zeiteinheit darstellt.
Und das schönste steht uns
erst noch bevor: 2002! Wenn man die zahlreichen Ernteberichte richtig
interpretiert, dürfte dieser Jahrgang deutlich stärker ausfallen als der 2001er
sowohl bei den trockenen als auch bei den edelsüssen Weinen. Ob Rovani dann das
115-Punkte-System einführt? "Schaun mer mal" - würde der Kaiser wohl zum Papst
sagen..
Bei aller Skepsis
allerdings bleibt anzumerken. Das plötzlich erwachte Interesse der
US-Weinschickeria freut uns natürlich. In erster Linie der Winzer wegen; denn
wenn dies kein Strohfeuer bleibt, sondern wenigstens zum vorübergehenden
Dauerzustand werden sollte, können diese in Zukunft zumindest für ihre
Spitzenprodukte deutlich höhere Preise erzielen. Was des Winzers Freud´, ist
dann allerdings Weintrinkers Leid.
Was bleibt zu tun? Sich so schnell wie möglich
mit den besten Weinen zu den heutigen Preisen eindecken. Die
Verkostungsprotokolle von degustation.de sollen hier Entscheidungshilfe leisten.
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Dinner & Events |
Länder & Regionen
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Echézaux-Dinner
Kronenschlösschen, Hattenheim
(4. November 2005)
Lanton´s Tasting
Übersee Club, Hamburg
(27. September 2005)
Dîner Alter Ego
Das Kleine Rote, Hamburg
(7. September 2005)
Capannelle Dinner
Landhaus Scherrer, Hamburg
(22. November 2002)
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Bordeaux 2008
Der Wundertüten-Jahrgang
Bordeaux 2007
Bordeaux 2006
Der Achterbahn-Jahrgang
Bordeaux 2005
Bordeaux 2004
Zurück zu den Zeiten der Normalität
Bordeaux 2003
Ein Jahrgang wie Himmel und Hölle.
Bordeaux 2002
Der Jahrgang, den keiner wirklich braucht.
Bordeaux 2001
Der Fragezeichen-Jahrgang.
Bordeaux 2000
Le rodeo des grands crus
Toskana Anteprima 2006
Chianti Classico 2005 (Fassmuster)
Vino
Nobile di Montepulciano 2003
Brunello di Montalcino 2001
Toskana Anteprima 2003
Chianti Classico 2000/2001, Vino
Nobile di Montepulciano 2000 und Riserva 1999, Brunello di Montalcino 1998
und Riserva 1997.
Ungarns rote Elite
Die besten ungarischen Rotweine der Jahrgänge 1999, 2000, 2001 und 2002 im Test.
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Raritätenproben |
Rebsorten |
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Die Mariental-Vertikale
Ein österreichischer Wein-Mythos auf dem Prüfstand - Alle 15 Jahrgänge
des legendären Blaufränkisch aus Rust. (31. Januar 2004)
König Riesling hielt Hof
Ein halbes Jahrhundert deutsche Weingeschichte mit edelsüssen Rieslingen
beim Leipziger Weinwochenende (15. März 2003).
Kleine Châteaux
- Grosse Jahrgänge
Eine aufschlussreiche Bordeaux-Probe in der Krone
Assmannshausen (8. November 2002).
Maison Louis Jadot
Corton Charlemagne 1999 - 1979
Clos Vougeot
1999 - 1969
(18. September 2002)
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Südtiroler Pinot
noir
Das blaue Wunder der Berge - Eine Verkostung mit Weinen führender Produzenten in Bozen.
Sauvignon blanc
Mitten im allgemeinen Riesling-Boom sorgt eine Anzahl deutscher Erzeuger
mit Weinen aus der Sorte Sauvignon blanc für Furore.
Pinot Noir
Ein Vergleich der besten Pinot Noirs aus Deutschland und Österreich des
Jahrgangs 2001.
Deutsche Spätburgunder
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Weingüter Reports |
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DEUTSCHLAND
ITALIEN
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Freitag, 3.September 2010
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Für die Bewertung von Weinen
wurde von degustation.de ein
100-Punkte-System entwickelt, das auf dem Verkostungsschema der
Union Internationale des Oenologues für Wein- Wettbewerbe basiert.
100
Idealnote,
Jahrhundertwein.
95 - 99
Erlesene
Weine von Weltklasse. Weine mit einem
Reifepotenzial für viele Jahrzehnte.
90 - 94
Herausragende
Weine mit allen Attributen eines Klassikers bzw.
dem vollen Ausdruck der jeweiligen Rebsorten.
85 - 89
Sehr gute Weine von hoher
regionaler Typizität oder ausgeprägtem Charakter der Sorte bzw. des Cuvées.
80 - 84
Gute Weine vor allem für den
gastronomischen Bedarf, oft mit einem besonders guten Preis- Leistungsverhältnis.
75 - 79
Überdurchschnittliche
Alltagsweine.
70 - 74
Anständiger Durchschnitt,
einfache Alltagsweine.
60 - 69
Noch akzeptable, aber banale Weine ohne spezifischen Charakter.
50 - 59
Unakzeptable Weine an der Grenze zur Fehlerhaftigkeit
unter 50
Eindeutig fehlerhaft und daher eigentlich nicht mehr verkehrsfähig.
AUTOR
Mario Scheuermann
Bücher des Autors

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