"Der Jahrgang 2001 wird
für immer im Schatten seines Vorgängers stehen, heisst es in Bordeaux
ganz unisono. Und es ist eine Frage der Preise, ob der en
Primeur-Verkauf nach den monströsen Kosten für den 2000er überhaupt in
die Gänge kommt. Alles hofft auf die Vernunft der Winzer, denn gute
Weine gibt es wiederum genug."
Nachstehend als exklusiver Vorabdruck die
Degustationsnotizen zu Peter Mosers Jahrgangsfavoriten.
Seinenausführlichen Primeur-Report finden Sie ab 6. Mai auf der Homepage
der Zeitschrift Falstaff im Internet
Château Ausone 2001 - St. Emilion
Dunkles Rubingranat, violette Randaufhellung, in
der Nase nach Zedernholz, sehr mineralisch, schwarzer Tee, am Gaumen
sehr nervig, konzentriert, süße Beerenfrucht, feste Tanninstruktur, eher
aristokratisch und zurückhaltend, bleibt sehr lange haften, guter
Terroir-Charakter, ein intellektueller Wein, der sicher zu den
Jahrgangsbesten zählen wird.
Château Bellevue-Mondotte 2001 – St. Emilion
Über diesen neuen Perse-Wein könnte man lange
diskutieren, doch es wird nur 4.500 Flaschen davon geben, er ist eine
vorprogrammierte Rarität, und eine völlig verrückte dazu. Zwei Hektar
Fläche, minimalste Erträge, Sieben Wochen Maischestandzeit:Tintiges
Rubingranat, in der Nase noch sehr verhalten, über das zukünftige Bukett
lässt sich nichts sagen, am Gaumen ganz enorme Konzentration, die
Tannine überlagern die Frucht noch völlig, massives Glycerin, einiger
Alkohol, unglaubliche Dichte, eine eigene Dimension. Wahrscheinlich auch
der Preis.
Château Pétrus 2001 - Pomerol
Dunkles Rubingranat, jugendliche Reflexe,
drogenhaft, süße Frucht, erinnert an Bountyriegel und Kokosanklänge,
sehr weich, aber gute Substanz und Länge, sensationell zu trinken, "sexiest
wine" - vielleicht die beste Primeurprobe aus hedonistischer Sicht,
gutes Potenzial.93 -
95 Punkte
93 – 95 Punkte
Château Margaux 2001 - Margaux
Dunkles Rubingranat, opake Farbe, in der Nase nach
Tee, Zedern, Tabak, Cassis, die strenge Selektion hat sich bemerkbar
gemacht, am Gaumen herrliche Waldbeerenaromen, süß und kompakt, sehr
elegant, sehr „Margaux”, ein dichter Wein, zeigt den puren Stil des
Hauses, mit einem sehr hohen Cabernetanteil (82 Prozent), vielleicht den
höchsten überhaupt, perfekte Tannine, tolles Potenzial. Reicht zwar
nicht ganz an 2000 heran, hat aber das Zeug zu einem Klassiker.
La Clusière 2001 – St. Emilion
Kräftiges, tintiges Rubingranat, violette Reflexe,
in der Nase Lakritze, Him- und Brombeeren, delikates Konfit, ungemein
stoffig, zarter Überreifeton, Zwetschken, dick, massives Holz, ein Wein
von beängstigender Konzentration, lange am Gaumen anhaftend. 15 hl/ha
Erntemenge.
Château Laforge 2001 – St. Emilion
Wieder einer mit minimaler Produktion, im Stil mehr
ein Pomerol, hat er doch 92 Prozent Merlotanteil: feine Frucht,
intensiv, perfektes Holz, süß und lang, überreife Frucht, gute Spannung
trotz der Extraktsüße, sehr fein und nachhaltig.
Rol Valentin 2001 – St. Emilion
Diesmal wirklich extrem gut gelungen, zählt zu den
besten Garagisten: perfekte Frucht, tief, sehr gute Entwicklung,
vielschichtig, klar und saftig, großartige Textur, sehr lang, ein Wein,
an dem man nicht vorbei kommt.A
92 – 94 Punkte
Château Lafite-Rothschild 2001 - Pauillac
Extrem dunkles Rubingranat mit violetten Reflexen,
gute Nase nach Brombeeren und Cassis, recht dunkelbeerig geprägt, am
Gaumen mehr Lakritze, rote Johannisbeeren, kräftige Textur, viel neues
Holz, das einiges abdeckt, höherer Säurebogen, zitroniges Finish, im
Moment wenig Frucht im Nachhall, sehr schwer einzuschätzen. Sehr guter
Wein, sehr „Lafite”.
Château Pichon Longueville
Comtesse de Lalande 2001 - Pauillac
Leuchtendes Rubingranat, violette Reflexe, sehr
feine, elegante Nase, dezente Süße klingt an, Veilchen, gute Würze,
stoffig am Gaumen, feste Tanninstruktur, Schoko und Kakao, ein
finessenreicher Abgang, ein umwerfender Wein. Es lebe die Finesse und
das Terroir!
Château Figeac 2001 – St. Emilion
Tiefes, kräftiges Rubingranat, schwarzer Kern,
violette Randaufhellung, sehr feine Beerennase, zarte Anklänge von
Dörrzwetschken und Feigen, am Gaumen sehr elegant und schwungvoll,
knackige Textur, ein delikater Wein, Minze und Menthol klingen im
Hintergrund an, bleibt sehr gut haften, tolles Potential, hat Kraft und
Finesse zu bieten.
Château Pavie-Decesse 2001 –
St. Emilion
Rubingranat, violette Reflexe, in der Nase
zartblättrig, Cassiskonfit, viel Lakritze, Veilchen, sehr intensiv, sehr
süß, enorme Reife, nach Feigen, hat Kraft und sehr komplex, dicht und
lang, dabei aber auch nicht überkonzentriert, gerade recht.
Château Terte-Rôteboeuf 2001
– St. Emilion
Dunkles Rubingranat, violette Reflexe, in der Nase
nach Mandeln und Zwetschken, eher süß im Antrunk, bietet dann am Gaumen
eine fast unglaubliche Süße, man denkt an Crême Brulée, bleibt dabei
elegant, spielt seine Kraft aus, ist breit, aber im positiven Sinne,
keine Spur rustikal. So gut wie 2000, keine Frage.
Clos Dubreuil 2001 – St. Emilion
Tintiges Rubingranat, fast opake Farbe, violetter
Rand, zart blättrig, dunkle Beerennasse, anfangs noch verdeckte Frucht,
am Gaumen fordernde, aber reife Tannine, etwas Dörrobst, kompakt, gute
Süße, pfeffrige Würze im Finish. Das Holz ist voll integriert, bleibt
sehr lange haften. Hat alle Anlagen eines hedonistischen Merlots mit
Klasse.
Château L‘Eglise-Clinet 2001
- Pomerol
Tiefdunkles Rubingranat, in der Nase feine
Lakritzenoten, mit Bitterschoko unterlegt, am Gaumen stoffig, sehr
konzentriert, mineralisch, hat viel Kraft, markanter Holzeinsatz, im
Finish nach Minze, After Eight, im Abgang sehr würzig, Lebkuchengewürze
klingen an, hat eine überzeugende Länge. Heuer waren die einzelnen
Elemente noch klar auseinander, von der Substanz kann dieses Material
besser sein als im Vorjahr, dann bekommt es einige Punkte mehr.
91
- 93 Punkte
Château Latour 2001 - Pauillac
Opakes, dunkles Rubingranat, in der Nase zarte
Süße, etwas pain grillée, reife Zwetschkenaromen, fein, mittlerer
Tanninbiss, wirkt bereits sehr entwickelt, wird den Forts de Latour des
Vorjahres kaum erreichen, verblüffend kurz im Abgang, etwas Schoko im
Nachhall. Ein eleganter Wein, ja, aber sicher keiner, den man unbedingt
einlagern muss.
Château Mouton-Rothschild 2001 – Pauillac
Kräftiges Rubingranat, gute Leuchtkraft, in der
Nase nach Brombeeren und Schoko, feine Gewürze, zeigt am Gaumen ein
feines Tannin, Nougat, Cassis, aber auch eine zitronige Säure, zarte
Röstaromen im Nachhall, wirkt noch etwas unausgewogen in der Struktur,
rotbeerige Note.
Château Lynch-Bages 2001 - Pauillac
Dunkles Rubingranat, zarte Randaufhellung, zarte
Anklänge nach schwarzem Tee, Cassis, Erde, am Gaumen elegant und stoffig,
gute Balance, feine Weichselfrucht, wird im Finish etwas süßer, mittlere
bis gute Konzentration, makellos gemeistert, guter Nachhall, gutes
Lagerpotenzial. Wird ein Klassiker des Hauses werden.
Château Cos d‘Estournel 2001
– St. Estèphe
Dunkles Rubingranat, schwarzer Kern, violette
Reflexe, intensive, tiefe Frucht, exotische Anklänge nach Zimt, gutes,
eher dezentes Holz, am Gaumen mit einer markanten Säure, reicht an das
Vorjahr nicht ganz heran, strenges Tanninfinish.
Château Haut-Brion 2001 –
Pessac-Léognan
Sehr gutes Rubingranat, jugendliche Reflexe, in der
Nase eher verdeckt, das Holz dominiert, dahinter rotbeerige Frucht, am
Gaumen elegant, zarte Zitrusaromen künden von einer höheren Säure, ein
feiner Tanninfilm legt sich auf den Gaumen, mittlere Konzentration, eine
Mischung aus rotbeerig und salzig, im Abgang nicht ganz überzeugend,
femininer Stil.
Château Cheval Blanc 2001 –
St. Emilion
Leuchtendes Rubingranat mit violetten Reflexen, in
der Nase süße Frucht mit Zwetschkenanklang, sehr elegant strukturiert am
Gaumen, nach Orangen und Nougat, viel Schliff, zeigt eine gute
Konzentration, insgesamt eher auf der femininen Seite, harmonisch, mit
Schokonachhall, ein eleganter Wein, der bereits sehr weit entwickelt
ist.
Château Angélus 2001 – St. Emilion
Sehr tiefes Rubingranat mit schwarzem Kern und
violetten Reflexen, feiner Hauch von Kokos, Nougat und Karamell, am
Gaumen sehr konzentriert, dunkelbeerig, wie eine Schokocouverture,
ordentliches Tannin, Lebkuchenwürze, wirkt im Abgang noch sehr
alkoholisch, etwas überkonzentriert, parkerisiert.
Château Beau Séjour-Bécot 2001
– St. Emilion
Tiefdunkles Rubingranat, in der Nase ein Hauch von
Dörr-obst, Feigen, schöner Süßeschmelz, am Gaumen vollreife Tannine,
sehr harmonisch und ausgewogen, toller Schoko-schmelz, im Finish
exotische Würze, ein hervorragender Wein, der den 2000er des Hauses
übertrifft.
Château Pavie 2001 – St. Emilion
Dunkles Rubingranat mit leuchtend violetten
Reflexen, opake Farbe, kompakte süße Frucht, zarte Dörrobstnote, sehr
konzentriert am Gaumen, Mandarinen, Schokoorangen, hier wurden alle
Register des Winemakings gezogen, massives, aber reifes Tannin, tolle
Länge. Allerdings wohl kein Wein des Terroirs, sondern powerhouse
anstatt Finesse, ein Blindverkostungshammer, aber noch kein unbedingter
Trinkgenuss. Love it or hate it.
Château Trotanoy 2001 - Pomerol
Kräftiges Rubingranat, in der Nase sehr klare
Fruchtnuancen, hat einen feinen, aber präsenten Säurebogen, im Abgang
sehr seidiges Finish, hat eine elegante Zukunft.
Château Bellegrave-Pomerol 2001 - Pomerol
Tiefdunkles Rubingranat, violette Reflexe, zeigt
ein eher verschlossenes Bukett, mit etwas Luft kommt eine sehr
finessenreiche Kirschnote, am Gaumen süß, elegant, mit einem festen
Kern, hat zwar eine höhere Säure, die macht das Ganze aber erst so
richtig delikat, Lebkuchengewürze im Abgang.
Vieux-Château-Certan 2001 - Pomerol
Tiefdunkles Rubingranat, in der Nase frische
Kirschen und Lakritze, Cassis, am Gaumen stoffig, etwas säurebetont,
wieder Weichseln, ein seidiger Pomerol mit süßem Finish, delikat, ein
Wein mit beeindruckender Finesse.
Château Quinault L‘Enclos 2001
– St. Emilion
Tiefdunkles Rubin mit violetten Reflexen, feine
Röstaromen, nicht übertrieben, dazu schwarze Kischen und Lakritze,
delikates Bukett, am Gaumen seidig und stoffig, feine Beerenfrucht, sehr
gute Länge, guter Nussnachhall, toller Wein, typischer St. Emilion.
Château Monbousquet 2001 – St. Emilion
Tiefdunkles Rubingranat mit violetten Reflexen, in
der Nase feiner, süßer Kakaoduft, stoffig, dichte Tanninrobe, schwarze
Kirschen, sehr süß, noch sehr verhalten, hat aber das Zeug und die
Würze, um in der Zukunft ein großer Wein zu werden, hat Klasse.
La Gomerie 2001 – St. Emilion
Tiefdunkles Rubingranat, zeigt im Duft eine zarte
Überreife, Dörrobst, am Gaumen elegant, hat aber eine höhere Säure,
Schliff, Mandarinen klingen an, wird im Finish immer süßer, das Holz
wird spürbar.
La Mondotte 2001 – St. Emilion
Tiefdunkles Rubingranat, in der Nase herrliches
Brombeerkonfit, Zedernholz, am Gaumen sehr gewürzig, Schoko-Nougat,
Heidelbeeren, Zwetschken, viel Frucht, viel Gewürz, sehr gutes
Zukunftspotenzial. Bitterschoko.
Château de Valandraud 2001 – St. Emilion
Dunkles Rubingranat, violette Reflexe, zart
blättrige Edelholznote, Minze finessenreich am Gaumen, reife, straffe
Tannine, seidig, rotbeerige Frucht, Waldbeeren, Harmonie, elegante
Textur, nicht so röstig und kräftig wie im Vorjahr, dafür sehr
finessenreich und delikat. Tolles Potenzial!