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Mit Spannung erwartet: der erste
Jahrgang des neuen Jahrtausends. Hier finden Sie die Chronologie der
Ereignisse - Wettertelegramme, Prognosen, Fragen und Meinungen,
Interviews und Ergebnisse zum Jahrgang 2001 in Bordeaux. Dieses News-Board
wird ständig aktualisiert.
Bordeaux/New York, 22. März 2002
Ein
Paukenschlag aus New York
Am Freitag, den 22. März pünktlich
um 23 Uhr MEZ schaltet in New York der Wine Spectator die ersten 50
Degustationsnotizen seines Europa-Bürochefs James Suckling auf der
Internetseite frei. Darunter sind 14 Weine, die er mit der Note 95 - 100
bewertet. Eine Sensation! Das wird einschlagen wie eine Bombe.
Saint-Emilion: Château Ausone,
Bellevue-Mondotte, Château La Clusière
Saint Estèphe: Château
Cos-d´Estournel
Pomerol: Château
L`Eglise-Clinet, Château Pétrus, Château Le Pin, Vieux Château Certan
Pessac-Léognan: Château
Haut-Brion
Pauillac: Château
Lafite-Rothschild, Château Latour, Château Mouton-Rothschild, Château
Pichon-Longueville Comtesse de Lalande
St. Julien: Château Leoville
Las Cases
New York/Bordeaux, 20. März 2002
Go America,
go...
James Suckling, der
Europa-Chef des Wine Spectators, hat heute angekündigt, er werde mit seiner
ausführlichen Online–Berichterstattung mit täglichen Tastingreports und
Interviews über den Jahrgang 2001 bereits am Freitag, den 22. März auf der
Homepage des Wine Spectators beginnen. Letztes Jahr hat er wenigstens noch
höflicherweise bis zum offiziellen Kampagnen-Auftakt gewartet. Aber so sind
sie halt unsere amerikanischen Freunde: keinerlei Fingerspitzengefühl. An
ihrem Wesen soll nunmal die Welt genesen. Egal, was alle anderen denken und
sagen: Wine Spectator und Wine Advocat fühlen sich als die sakrosankten
Opinionleader der Weinwelt.
St. Estèphe, 20. März 2002
Der erste Preis ist da
Der
erste Primeurpreis für einen Bordeaux des Jahrgangs 2001 ist da. Das kleine
Château Petit Bosc, ein Cru Bourgeois mit acht Hektar Rebfläche in St.
Estèphe, eröffnete genau eine Woche vor Beginn der diesjährigen
Primeur-Tastings den Reigen der Offerten mit einem mutigen Plus von zehn
Prozent gegenüber dem Jahrgang 2000. 12,80 Euro statt den letztjährigen
11,90 Euro soll hier der Jahrgang 2001 en primeur kosten.
London/Bordeaux, 19. März 2002
Das Kaffeesatzlesen hat begonnen
Britische
Weinhändler sehen die Gefahr eines Markteinbruchs für Bordeaux-Weine, wenn
die Preise für den 2001er Jahrgang nicht deutlich unter denen des 2000ers
liegen sollten. Dies geht aus einer Umfrage des Decanter hervor, die das
Magazin wenige Wochen vor Beginn der diesjährigen Primeurkampagne unter
Londoner Händlern durchführte und auf seiner Website veröffentlichte.
In Bordeaux war vor
dem letzten Parker-Schock hinter vorgehaltener Hand über einen (durchaus
sinnvollen) Preisabschlag von möglicherweise zehn Prozent geredet worden.
Inzwischen ist das aber schon wieder alles Schnee von gestern. Wir befinden
uns mal wieder mitten in den Orakelwochen. Da muss man Kaffeesatz lesen.
So
veröffentlichte gestern das Conseil Interprofessionel du Vin de Bordeaux (CIVB)
in Bordeaux seine neuesten Zahlen. Demnach sind die Verkäufe von
Bordeaux-Weinen nach Grossbritannien in den beiden Monaten November und
Dezember 2001 um 38 % in der Menge und 22 % im Wert gestiegen. Aufs ganze
Jahr 2001 gesehen redet CIVB von einem Exportanstieg nach Grossbritannien
von sieben Prozent. Dieser Erfolg, so CIVB Marketing Direktor Tanguy
Chatillon, sei das direkte Ergebnis einer Kampagne zur Gewinnung neuer
Konsumentengruppen mit Hilfe intensiver TV-Werbung und der Sponsorship
gesellschaftlicher Ereignisse wie des London Fashion Weekend. Diese
Aktivitäten sollen auch 2002 fortgesetzt werden.
Eines
jedenfalls ist schon jetzt klar: schon jetzt
zeichnet sich für die kommende Woche ein Rekordinteresse für die
Präsentationen des neuen Jahrgangs ab. Trotz der nahezu gleichzeitig
stattfindenden Messe Prowein in Düsseldorf rechnet die Union des Grands Crus
erstmals mit einer Zahl von
5.000 Facheinkäufern und
Medienvertretern aus aller Welt.
Bordeaux/London, 12. März 2002
... und die Preise klettern
Kaum
das Orakel des Weingurus aus Maryland auf dem Markt schossen die Preise für
die Top-Bordeauxgewächse des Jahrgangs 2000 vor allem am Handelsplatz London
und in den USA noch einmal um rund 25 Prozent in die Höhe,
obwohl sie bereits ein
Allzeithoch erreicht hatten. Eine neue Debatte um die Seriosität und den
unheilvollen Einfluss Parkers hat in den angelsächsischen Medien bereits
begonnen. Die Preise für die am höchsten bewerteten Gewächse kletterten pro
Tag um drei bis vier Prozent. Der Preis für eine Kiste Château
Haut Brion
beispielsweise stieg von 2110 € auf 2.740 € innerhalb von drei Tagen.
Château Margaux und Château Latour gingen von 2.400 € auf 2.950 €. Was das
für Auswirkungen auf die Preisgestaltung des Jahrgangs 2001 haben wird, ist
völlig ungewiss.
Bordeaux, 11. März 2002
Neue Parkermania über Bordeaux
In
der jüngsten Ausgabe seine Newsletters „The Wine advocate“ schreibt Robert
Parker jr., der einflussreichste Weinkritiker der Welt, unter der
euphorischen Überschrift „Bordeaux´s Hallelujah“, dass der Jahrgang 2000,
wenn man mal von den schockierenden Preisen absieht, der beste
Bordeauxjahrgang aller Zeiten sei („the greatest vintage ever“). Das ist er
nun wirklich nicht und mit solch masslosen Übertreibungen erweist Parker
Winzern wie Weinfreunden einen Bärendienst. Auf jeden Fall hat Parker mit
diesem boulevardesken Artikel für viele Fachleute einen Gutteil seiner
angeschlagenen Glaubwürdigkeit verspielt.
Hier
das umstrittene Originalzitat im Wortlaut: „Retasting the 2000 vintage three
to four months before bottling provided overwhelming evidence that this is
the greatest vintage Bordeaux has ever produced. Remarkably consistent from
top to bottom, there has never before been a year where so many exceptional
wines were produced.”
Si tacuisse philosophus manisse - Hättest du geschwiegen, du
wärst Philosoph geblieben. Das lateinische Sprichwort hat auch hier seine
Gültigkeit.
Hätte er doch
wenigstens einschränkend geschrieben „der grösste Jahrgang seit ich Wein
probiere“, oder so ähnlich. Das hätte man gelten lassen können. Parker
begann nach eigenem Bekunden ungefähr Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre,
sich näher mit Wein zu beschäftigen und mit den Notizen über den 82er
Jahrgang in Bordeaux hatte er seinen ersten grossen Medienauftritt. Er hat
also – wie die meisten anderen Schreiber seines Alters - den grossen
Jahrgang 1961 nie in seiner vollen Breite en primeur probiert. Ich kenne
aber Profis, die alt und erfahren genug sind, um sich daran gut erinnern zu
können und wenn diese vorsichtig sagen, 2000 ist möglicherweise der beste
Jahrgang seit 1961, kann man dem Glauben schenken. Aber der grösste Jahrgang
aller Zeiten?
Was
ist dann mit 1811, mit 1864/65 mit 1870 mit 1900, mit 1928/1929 mit 1945
etc. etc.. Es fällt nicht schwer Jahrgänge aufzuzählen, von denen man
durchaus glauben kann, dass sie genauso gross oder grösser waren. Es mag
sein, dass Parkers Argument zutrifft, dass im Jahr 2000 in der Breite mehr
gut gemachte Weine produziert wurden, als in vergleichbaren früheren
Jahrgängen. Andererseits habe ich in den vergangenen 25 Jahren eigentlich
nie einen 61er getrunken, der mich wirklich enttäuscht hätte, es sei denn er
war korkig. Oder ein schwacher 59er? Und da ist dann noch die „goldene Ära“
von Bordeaux, die letzten beiden Dekaden vor der Reblaus im 19. Jahrhundert.
Fast alles, was aus dieser Zeit in den Kellern überlebte, ist von erlesener
Qualität auch nach über 130 Jahren! Wird ein 2000er Lafite, dem Parker 98
bis 100 Punkte gibt, dies je erreichen können?
Ich bin mir ziemlich sicher:
nein. Ausone vielleicht ja.
Das ist in 2000 ein
absoluter Ausnahmewein. Auch Cheval blanc und Margaux muss man wohl
dazurechnen und auch Latour - aber auf keinen Fall Parkers Spitzenreiter La
Mission Haut-Brion. Der ist zwar ohne Frage in 2000 deutlich besser als
Nachbar Haut-Brion, aber an Ausone und Margaux z.B. reicht er für mich nicht
heran.
Die von Parker am höchsten bewerteten
Weine des Jahrgangs 2000
| 99 - 100 |
Château
La Mission Haut-Brion |
| 98 - 100 |
Château
Cheval blanc |
| |
Château
Magrez Fombrauge |
| 96 - 100 |
Château
Ausone |
| |
Château
Lafite-Rothschild |
| 96 - 99 |
Château
Pétrus |
| |
Château
Margaux |
| |
ChâteauLatour |
| 96 - 98 |
Le Pin |
| |
Château
Pichon Longueville Comtesse de Lalande |
| |
Château
Pavie |
| |
Château
Mouton-Rothschild |
| |
Château
Lafleur |
| |
Château
Haut-Brion |
| |
Château
L`Evangile |
| |
Château
La Conseillante |
| 95 - 98 |
Château
Peby Faugères |
| 95 - 97 |
Château
Leoville Barton |
| |
Château
La Clusière |
Bordeaux, 10. März 2002
In Bordeaux
stellt sich die Vertrauensfrage
Knapp
zwei Wochen vor Beginn der diesjährigen Primeurkampagne in Bordeaux
erschüttert ein Weinskandal den noblen Quai de Chartron und damit das
traditionelle Bordelaiser Handelskartell bis in seine Grundfesten. Einige
der bedeutendsten Bordelaiser Handelsfirmen sind nach einem Bericht von Tim
Atkins in Harpers „Wine and spirit weekly“ möglicherweise doch von einem
seit längerem schwelenden Skandal betroffen. Jacques Hemmer, ein Negociant
aus dem Médoc, steht seit letzter Woche unter der Anklage zwischen 1994 und
1997 ca. 400 000 Liter gefälschten Wein verkauft zu haben. Er soll, so die
Anklage unklassifizierte, einfache Bordeauxweine mit Weinen aus
Südfrankreich verschnitten und als Cru Bourgeois und kleine Châteaux
verkauft haben. Falls er schuldig gesprochen wird drohen ihm mindestens 18
Monate Gefängnis und eine hohe Geldstrafe.
Das Urteil wird am 8.
April erwartet.
Zu
Hemmers Kunden gehörten auch sechs grosse Bordeaux Négociants (Ginestet, GVG,
Cordier, CVBG, Dulong and Mestrezat & Domaines). Auch sie stehen jetzt unter
Anklage, gefälschte Weine verkauft zu haben, die sie von Hemmer bezogen
hatten. Nicht angeklagt wurde dagegen der Makler Francois Lillet, der die
Geschäfte vermittelt hatte. Der Staatsanwalt hat auch gegen die sechs Firmen
Geldstrafen gefordert. Diese haben sich als „nicht schuldig“ bezeichnet und
sich bereits in Schreiben an Ihre Kunden gewandt, worin sie sich gegen die
Vorwürfe wehren. „Wir sind selbst Opfer eines Betruges geworden“, so
Jean-Marie Chadronnier von CVBG, „wir sind dafür nicht verantwortlich.“ CVBG
hatte bereits selbst vor zwei Jahren gegen Hemmer geklagt und alle Partien
des von ihm gekauften Château Tourney vernichtet.
Wie
auch immer das Verfahren ausgeht, befürchten die Betroffenen zu Recht einen
Vertrauensschwund ihrer weltweiten Kundschaft und das zum Beginn einer
heiklen Kampagne, in der es u.a. darum geht, ob die Preise für Bordelaiser
Weine auf ihrem Rekordniveau verharren oder angesichts eine weltweit
schwierigen wirtschaftlichen Lage wieder sinken.
Hamburg, 8. März 2002
Die Ruhe vor
dem Sturm
Im Gegensatz zum gleichen
Zeitpunkt des Vorjahres herrscht zwei Wochen vor Beginn der Primeur-Kampagne
für den Jahrgang 2001 in Bordeaux derzeit Funkstille. Ist es die trügerische
Ruhe vor dem grossen Sturm oder das erste untrügliche Anzeichen für eine
drohende nachhaltige Flaute? Nichts Genaues weiss man nicht. Oder doch?
Versuchen Sie mal derzeit einen
Flug von Hamburg, Frankfurt oder München zu bekommen, der Sie rechtzeitig
zum Beginn der Verkostungen am 25. März nach Bordeaux bringt. Fehlanzeige!
Alle Flüge der Lufthansa – auch die der Vorwoche - sind seit Wochen in allen
Klassen ausgebucht. Dies lässt zumindest auf einen guten Besuch von Seiten
der deutschen Einkäufer schliessen. Aber werden auch die Amerikaner kommen?
Kommt man nur zum probieren oder um zu kaufen?
Auch bei den Qualitäts-Prognosen
halten sich alle nach einer ersten Euphorie inzwischen eher bedeckt.
Genausogut wie 2000, besser als 2000, nicht ganz so gut wie 2000. Angesichts
solch widersprüchlicher Aussagen liesse sich trefflich spekulieren. Aber
nichts dergleichen. Alle warten wie gebannt auf die Probe.
Die ersten Einladungen für die
Verkostungen sind per Post eingetroffen und werden gesichtet. Die meiste
Zeit werde ich mit René Lambert (Dourthe Frères) und Peter Moser (Falstaff)
gemeinsam verkosten.
Saint Emilion, 24. Dezember 2001
Weisse
Weihnachten in Saint Emilion
Weisse Weihnachten auch im
Libournais. Nach nächtlichen Schneefällen präsentierten sich die Dächer und
Weinberge von Saint Emilion am Heilig Abend bei strahlend blauem Himmel und
Sonnenschein unter einer leichten weissen Schneedecke. Ein seltenes
Naturschauspiel in dieser milden Region Südwest-Frankreichs, das nur etwa
alle 15 Jahre vorkommt.
Das hier gezeigte Fotos von
Château Ausone (links) und Les Grands Murailles (rechts) im Winterkleid
stammen beide von Jean-Luc Thunevin (Château Valandraud). Mehr Impressionen
aus dem verschneiten Saint- Emilion können Sie auf seiner Homepage finden
unter der URL
http://www.thunevin.com/uk/4news/snow.htm
Bordeaux, 12. November 2001
Weniger Volumen, vielversprechende
Qualität
Vorläufiger Schlussbericht
der CIVB
In Bordeaux ist die erste Weinlese
dieses Jahrtausends bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen zu Ende
gegangen. Das Erntevolumen wird im Vergleich zum 2000er Jahrgang geringer
ausfallen – also deutlich unter den 6,8 Millionen Hektolitern des
vergangenen Jahres liegen. Dies teilte das Conseil Interprofessionnel du Vin
de Bordeaux (CIVB) mit. Grund hierfür sind zum einen die klimatischen
Verhältnisse, zum anderen kontrollieren die Winzer konsequent ihre Erträge.
Mit einer genauen Angabe des Ertragsvolumen kann erst Anfang 2002 gerechnet
werden, wenn die Erntemeldungen aller Gemeinden zusammengetragen und
ausgewertet wurden. Eines steht allerdings jetzt schon fest: der Jahrgang
2001 ist vielleicht weniger homogen als sein Vorgänger, verspricht jedoch
ausgezeichnete Qualität.
Die
klimatischen Voraussetzungen fielen in diesem Jahr etwas aus dem Rahmen.
Winter und Frühlingsbeginn waren extrem mild und feucht, die Monate Mai und
Juni trocken und sonnig. Juli und August waren abwechselnd feucht und
sommerlich schön. Die bei einigen roten und weißen Rebsorten (für trockene
Weißweine) im August einsetzende Botrytis konnte dank äußerst günstiger
Wetterbedingungen wirksam bekämpft werden. Einige Temperaturrekorde: 8 Tage
mit über 25° C und 8 Tage mit über 30° C. Der September war ein frischer
Monat mit ausreichend Sonne (186 Stunden Sonneneinstrahlung, normaler
Durchschnittswert in diesem Monat 207 Stunden). Die Durchschnittstemperatur
lag mit 16,7° C um 1,3° C unter dem üblichen Durchschnitt, es gab nur wenig
Niederschläge. Diese Voraussetzungen begünstigten eine langsame Reifung der
Trauben, was vor allem den trockenen Weißweinen zugute kommen wird. Der
Oktober war ein Genuss für die roten Rebsorten. Mit sommerlichen
Temperaturen und strahlendem Sonnenschein bescherte er den Winzern optimale
Erntebedingungen und ungetrübte Zuversicht für den neuen Jahrgang. Am 7.
September begann die Lese der weißen Rebsorten, am 20. September fiel der
Startschuss für die roten Trauben. Die Erntebedingungen waren geradezu
optimal.
Die
Rebsorten Sauvignon und Sémillon wiesen zum Zeitpunkt der Ernte ein hohes
Potenzial auf (Erntebeginn der Sauvignon am 7. September, der Sémillon am
13.). Die Sauvignon-Traube ist süß, sehr lebendig und aromatisch mit einer
guten Säure, die Sémillon-Traube entwickelt eine Vielzahl von Aromen. Die
daraus erzeugten Weine sind fruchtig, ölig, gehaltvoll und schön ausgewogen.
Der 2001er verspricht ein sehr guter Jahrgang zu werden, ganz und gar
klassisch.
Von
den roten Rebsorten wurde als erstes die Merlot-Traube gelesen (Erntebeginn
am 20. September). Sie ist sehr farbintensiv mit einem hohen Zuckergehalt
und einem höherem Säuregehalt als im vergangenen Jahr. Erste Degustationen
versprachen viel Frucht und Finesse. Die Cabernet Sauvignon-Traube, die ab
dem 1. Oktober unter einer strahlenden Herbstsonne gelesen wurde, weist eine
reiche, volle Struktur und eine gute Tanninkonzentration auf. Finesse und
Eleganz dieser Rebsorte kommen im 2001er Jahrgang hervorragend zum Ausdruck.
Die
Lese der edelsüssen Weine begann Ende September (offizieller Erntebeginn war
am 24. September). Erwartet wird eine ganz außergewöhnliche Qualität. Die
vielbeschworene Botrytis trat schnell und einheitlich auf und sorgte für
eine zügige Ernte. Das Herbstklima (Sonne, Ostwind und in der Nacht leicht
feucht) war ideal für die Lese der süßen Trauben. Mit hohem Zuckergehalt und
viel Aroma versprechen sie besonders gehaltvolle Weine.
Bordeaux, 6. November 2001
Der „Wunderkind-Jahrgang“
Ein kurzer Zwischenbericht von René Lambert
In diesen Tagen ist es sehr schwer
mit einem Château-Besitzer oder einem Kellermeister zu sprechen. Sie sind
alle ständig unterwegs und pausenlos beschäftigt. Heute habe ich endlich
Laurent Savovitch, den Kellermeister von Château Montrose, getroffen.
Obwohl die assemblages noch nicht gemacht sind, ist er sehr stolz auf 2001.
„Der junge Wein schmeckt“, so meinte er,“wie ein grosser Wein aus einem
grossen Jahrgang schmecken sollte.“ Cabernet und Merlot seien bei Montrose
ähnlich wie 2000 von gleichmässig guter Qualität. Der Ertrag sei mit 40 bis
42 hl/ha rel. klein gewesen. Verbesserte Technik und Qualität der in den
Weinbergen sei der Hauptfaktor für den Erfolg dieses Jahrgangs. Für ihn wird
2001 gleich oder vielleicht auch besser werden als 2000. Savovitch:“Es
scheint als habe er mehr Tiefe, mehr Frucht.“ Aber das sind nur Vermutungen;
denn es in Wahrheit natürlich noch viel zu früh solche Vergleiche
anzustellen, da sich der Wein in diesem Stadium fast täglich anders zeigt.“
Aber es sei, so Savovitch, „eine wahre Freude dieses Wunderkind von einem
Jahrgang“ immer wieder zu probieren.
Bordeaux, 17. Oktober
Erntedank zum Leseabschluss auf
Château Margaux
Die Lese wurde erst am 16. Oktober
abgeschlossen und der Tag einer alten Tradition des Médoc folgend als
Feiertag für die Erntehelfer (La Gerbaude) zelebriert. Diese bedankten sich
bei der Schlossherrin Corinne Mentzenopoulos mit einem Blumenstrauss.
Direktor Paul Pontalier bezeichnet
den ersten Gesamteindruck des Jahrgangs als „sehr gut“. „Es war wie schon in
den letzten Jahr auch: die wirklichen Toplagen haben eine exellente Ernte
gebracht. Feine und delikate Weine. Anders als im Jahrgang 2000 nicht soviel
Kraft, aber sehr harmonisch und balanciert. Die Trauben der Sorte Petit
Verdot waren gleich oder sogar besser als 2000. Cabernet und Merlot sehr
reif und reich.“
Ein ausführliches Erntetagebuch von
Paul Pontalier gibt es auf der Website des Château
www.chateau-Margaux.com zu
lesen.
Bordeaux, 17. Oktober 2001
Kurzkommentare zur Ernte 2001
(Teil 2)
Château Ducru Beaucaillou Xavier Borie hat bis zum
14. Oktober gelesen und dies, wie er meint, „unter erstklassigen
Witterungsbedingungen“. Er spricht von „einer sehr guten Konzentration“
sowohl beim Merlot als auch beim Cabernet. Klassische Tanninstrktur. Einige
Gärtanks zeigten schon jetzt eine aussergewöhnliche Qualität.
Château Mouton-Rothschild Patrick Léon spricht von
Merlotrauben, die eine sehr starke Farbpigmentierung aufwiesen, von „tiefen
Duftnoten“ und „sehr reifen Tanninen“.
Château Pontet Canet Alfred Tesseron beziffert die
Zahl der Sonnenstunden auf 8000 statt 4000 in 1999, da man bei der
Laubarbeit auf zwei Seiten die unteren Blätter entfernt habe. Ausserdem
seien die Erträger deutlich niedriger und die einzelnen Trauben perfekt an
den Weinstöcken verteilt gewesen.
Domain de Chevalier Olivier Bernard denkt, dass er
in 2001 einen „wirklich aussergewöhnlich gute Wein“ machen wird.
Château Rausan Ségla und Château Canon John
Kolasa meint der Jahrgang 2001 sei wie eine Geburt gewesen. Vorher sei man
etwas nervös, aber danach zufrieden. Cabernet und Merlot werden sich gut
ergänzen, aber der 2001er wird nicht ganz die Struktur des Jahrgangs 2000
haben, aber es wird ein ausgewogener, eben ein klassischer Jahrgang werden.
Saint-Emilion, 16. Oktober 2001
Erster kosherer Wein von
Jean-Luc Thunevin
Sehr zufrieden mit der Lese des
Jahrgangs 2001 zeigt sich Jean-Luc Thunevin (Valandraud) in Saint-Emilion.
In einem ersten Erntebericht schreibt er: „Die Lese begann am 27. September
deutlich später als im Jahr zuvor, aber sie war dafür auch sehr viel
schneller abgeschlossen. Die sorgfältige Arbeit in den Weinbergen zahlte
sich schliesslich aus mit sehr gesunden Trauben von sehr hoher Reife. Mit
Hilfe eines vibrierenden Sortierungstisches im Kelterhaus wurden zudem alle
Blattreste sowie mögliche Feuchtigkeit entfernt, ehe die Trauben entrappt,
gepresst und in den Gärtank gefüllt wurden.“
Erstmals hat Jean-Luc Thunevin im
Jahrgang 2001 auch ein kosheres Cuvée vinifiziert. Zwei jüdische
Spezialisten, die die Ansprüchen an eine koshere Weinernte und Weinbereitung
erfüllen, beaufsichtigten die Lese in den Weinbergen von Thunevin sowie den
gesamten Press- und Gärvorgang nach den rituellen Vorschriften. Sie werden
den Ausbau des Weins bis zur Flaschenfüllung begleiten. Bis dahin wurden die
Tanks von ihnen vorschriftsmässig versiegelt.

Weitere Infos finden Sie unter folgender URL
http://www.tshunevin.com
Bordeaux, 15. Oktober
Kurzkommentare zur Ernte 2001
(Teil 1)
Château Lalande de Gravelongue
Am 13. Oktober hat Christian Nielsen hier
draussen in Valeyrac im Médoc die letzten Cabernet-Trauben geerntet. Sein
Kommentar: „Eine erste Geschmacksprobe des Mostes zeigt eine bessere Frucht
als im Jahrgang 2000. Aber die Struktur ist nicht ganz so kraftvoll. Da
werden wir wohl nicht ganz an den Vorgänger herankommen. Allerdings ist der
2000er bei uns auch besonders kraftvoll geraten. Wir hoffen für 2001 auf die
gleiche Qualitat wie 1998, was die Feinheit betrifft, und zwischen 1999 und
2000 bei der Struktur.“
Château Belgrave Merlot und Cabernet wurden beide in perfektem
Reifezustand zwischen dem 1. und 11. Oktober gelesen.
Château Angélus spricht von Eleganz und Finesse.
Château Calon-Ségur in Saint Estèphe beendete seine Lese bereits
am 10. Oktober mit einer relativ niedrigen Menge von max. 40 hl/ha..
Cos d´Estournel Jean Guillaume Prats vergleicht den 2001er mit
1986. Reife Trauben, guter Alkoholgehalt. Sehr gesunde Trauben.
Château Phélan Ségur Die Trauben hatten dicke Schalen und waren
sehr aromatisch vor allem der Merlot. Cabernet von seltener Qualität.
Château La Garde Gelesen wurde relativ früh vom 21.
September bis 7. Oktober. Das Alkoholpotenzial lag
zwischen 12 und 13.5 Grad. Perfekter Zustand der Trauben.
Château Maugey Jean-Marc Maugey spricht von einem Wein mit
Finesse und Struktur.
Hamburg, 12. Oktober 2001
Der achte Twin in 150 Jahren
Ein Kommentar von Mario Scheuermann
Wenn denn alles so kommt, wie es
unser Freund René Lambert beschreibt, dann steht uns mit dem 2001er erneut
ein grosser Bordeauxjahrgang ins Haus. Besser, gleich oder fast so gut wie
der 2000er, der in diesem Jahr alle bestehenden Preisrekorde gebrochen hat,
da sollte man sich jetzt noch nicht festlegen. Tut auch nichts zu Sache;
denn eines steht so oder so fest: Damit erfüllt sich der Traum vom
Twin-Vintage zum achten Mal in 150 Jahren: 1864/65, 1870/71, 1899/1900,
1928/29, 1961/62, 1988/1989/1990 (der einzige Tripple des Jahrhunderts),
1995/1996 und jetzt wohl doch 2000/2001. In Verbindung mit den beiden
magischen Millenniumszahlen lässt dies nur einen Schluss zu: Der Grundstein
für eine neue Preisralley ist gelegt. Ob diese allerdings dann im kommenden
Frühjahr tatsächlich stattfinden wird, ist angesichts der derzeit unsicheren
politischen und wirtschaftlichen Situation doch sehr zweifelhaft. Bisher
gibt es so gut wie kein Storno der 2000er Subskriptionen aus Amerika oder
dem asiatischen Raum. Händler berichten lediglich von verstärkten
Kellerauflösungen mit älteren Sammlungen, die möglicherweise das
Auktionsgeschäft beflügeln könnten oder auch belasten werden. Und beim
Luxuskonzern LVMH macht man sich Sorgen ums Weihnachtsgeschäft mit dem
Champagner. Aber der Krieg gegen privaten und staatlichen Terror hat gerade
erst begonnen und niemand kann wissen, wie lange er sich hinzieht, wie viele
Opfer er noch fordern wird. Sicher ist nur eins: wenn wir in verlieren und
die Fundamentalisten siegen, dann brauchen wir uns über die Qualität von
Weinjahrgängen keine Gedanken mehr zu machen. Einer Talibanisierung der Welt
fiele auch viertausend Jahre Weinkultur zum Opfer.
Saint-Emilion, 12. Oktober 2001
| Besonders spät,
aber sehr gut.
Der Frühling und der Beginn des
Sommers waren durch viel Feuchtigkeit gezeichnet, so dass die Verfärbung
der Beerenhäute spät eingesetzt hat. Glücklicherweise haben die warmen
und trockenen Tages des August das Pflanzenwachstum gestoppt. Ein
relativ kühler aber trockener September erlaubte eine langsame aber
regelmässige Reifung.
Am 1. Oktober hat die Weinlese
bei unserem Château Canon La Gaffelière in Saint-Emilion begonnen.
Die Merlots sind rassig mit einer tiefen Farbe, einer
guten Acidität, einer sehr grossen Konzentration und einem ziemlich
hohen Alkoholgrad. Die ersten durchgegorenen Weine kündigen einen
fruchtigen, vielfältigen und mächtigen Wein an. |

Stephan Graf von Neipperg
Château Canon La Gaffelière |
Gestern haben wir die Lese der
Cabernets beendet. Sie fangen ihre Gärung erst an, aber sie zeigen schon
eines sehr gute Qualität. 2001 wird ein sehr guter Jahrgang sein,
besonders für die Winzer, die ihre Weinberge gut bearbeitet haben, da es
galt das schlechte Wetter des Frühlings und Frühsommers zu kompensieren.
Wahrscheinlich wird der 2001er in Saint-Emilion dem 1998er etwas gleichen.
Leider beobachten wir einen allgemeinen Ertragsrückgang von 20 Prozent in
allen Weingütern.
Bordeaux, 11. Oktober 2001
Gesunde Basis für einen grossen
Jahrgang.
In Bordeaux werden die meisten Güter
zum Ende dieser Woche die diesjährige Lese der Trauben abgeschlossen haben.
Ein erstes Resumée zusammengetragen von René Lambert.
Man sagt: 70 Prozent der
Weinqualität kommt aus dem Weinberg. Der Rest ist die Arbeit des
Kellermeisters. Nimmt man diese Faustregel ernst, dann hat der Jahrgang
2001 in Bordeaux eine gesunde Basis.
Die Wetterbedingungen bei der Ernte
gestalteten sich in ihrem Verlauf seit Ende September ein wenig
wechselhaft, was die Winzer einen Augenblick zittern liess: Erst zwei Tage
Regen, dann aber schönes Wetter mit einer Temperaturspitze von 31 Grad am 2.
Oktober. Da es in den Nächten aber genügend abkühlte, können die
Erntebedingungen als durchaus ideal bezeichnet werden. Der Jahrgang war am
11. Oktober zu 95 Prozent eingebracht.
Spricht man mit den Winzern, hört
man immer wieder, auch wenn man es kaum glauben mag: Es ist ein grosser
Jahrgang. Wieder ein grosser Jahrgang, muss man sagen. Dies gilt vor allem
für die Betriebe, die in den Sommermonaten sorgfältig d.h. in erster Linie
ertragsreduzierend in den Weinbergen gearbeitet haben. Vendange verte und
effeuillage waren sehr wichtig um kleinbeerige und vollreife Trauben zu
erzeugen.
Zunächst muss man feststellen, dass
es in 2001 wohl keine wesentlichen Unterschiede im Potenzial zwischen dem
linken und dem rechten Ufer gibt. Auch dies ist ein Anzeichen dafür, dass
der Jahrgang gross ist, weil – wie wir sagen - komplett. Bei der ersten
Einordnung des Jahrgangs wird immer wider von Winzerseite das Jahr 1986
genannt. Man muss das abwarten; denn es gibt einen markanten Unterschied
zwischen den 80er Jahren und heute. Seit zwei, drei Jahren arbeiten immer
mehr Winzer nach den Prinzipien eines „vin de garage“. Und das ist in diesem
Ausmass neu für Bordeaux und wird Auswirkungen haben, die wir noch nicht
absehen können.
Die Technik in den Kellern, über die
so viel geredet wird, ist wichtig, aber das entscheidende ist der Weinberg.
Und da haben wohl viele begriffen, dass es nur einen Weg in die Zukunft gibt
und der führt über niedrigere Erträge und damit aber auch zu kleineren
Mengen für die Vermarktung .
Bordeaux, 02. Oktober 2001
Lesebeginn in Bordeaux
Bei sonnigem Wetter und Temperaturen teilweise bis
31 Grad hat am Montag (1. Oktober) in Bordeaux die diesjährige Lese für die
roten Sorten begonnen. Der Erntebeginn lag damit ca. acht bis neun Tage
später als im Jahrgang 2000. Nach Regenschauern am Mittwoch ist für die
folgenden Tage dann zwar kühleres, aber trockenes Wetter vorausgesagt.
Bordeaux, 14. September 2001
Bordeaux steht
kurz vor der Ernte
Bei etwas kühleren Tagestemperaturen
zwischen 15 und 20 Grad aber weiterhin überwiegend sonnigem Wetter bereitet
man sich in Bordeaux auf die Ernte des ersten Jahrgangs des neuen
Jahrtausends vor. In der ersten Hälfte des September war das Wetter deutlich
kühler als im August, aber es gab nur ca. eine Stunde Regen. Unser
Korrespondent René Lambert: “Daher haben wir ca. zwei, drei Tage der Reife
verloren, aber das Lesegut ist nach wie vor sehr gesund, die Beerenhäute
sehr dicht, was eine sehr gute Tanninstruktur verspricht.“ Die Lese der
roten Trauben wird voraussichtlich erst am 26. oder 27. September beginnen.
Die Qualität lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt laut Lambert bei aller
gebotenen Vorsicht bereits mit Jahrgängen wie 1990, 1995 oder 2000
vergleichen.
Bordeaux, 22. August 2001
Hochsommerliches
Augustende in Bordeaux
In Bordeaux geht der
Jahrgang 2001 in die entscheidende Phase der Traubenreife. Die
Wetterprognose sagt für die letzten Augusttage eine perfekte hochsommerlich
Witterung voraus. Die Tagestemperaturen werden zwischen 30 und 36 Grad
liegen, die Nachttemperaturen bei mässigen 17 bis 21 Grad und die
Regenwahrscheinlichkeit bei unter zehn Prozent. Da die Farbbildung in den
Beerenhäuten sehr zügig vorangeht, will man in Bordeaux in der nächsten
Woche bereits den Zeitpunkt des Erntebeginns für den Jahrgang 2001
festlegen.
Hamburg/Bordeaux , 21. August 2000
René Lambert: Der Markt hat sich
als erstaunlich stabil erwiesen
In einem Telefongespräch mit unserem
Korrespondenten in Bordeaux René Lambert meinte dieser, dass der Markt
durchaus in der Lage sei, die hohen Preise für die Bordelaiser
Spitzengewächse auch in dem Fall zu verkraften, wenn der 2001 wieder so gut
oder vielleicht sogar noch besser würde, als der 2000er. Der Markt hat nach
seiner Einschätzung angesichts der völlig irrationalen Hype der letzten drei
Monate eine erstaunliche Stabilität bewiesen. Die nachgefragten (weil hoch
bewerteten) Weine konnten alle reibungslos und schnell verkauft werden, egal
zu welchen Preisen der Handel sie auch einkaufen musste. Und auch das
Fussvolk der Crus mit weniger klangvollen Namen hat davon profitiert: die
Preise blieben stabil, der Absatz gut. Lediglich für die Appellation
Bordeaux Rouge, also die Masse der allereinfachsten Weine, sei der Markt
sehr ruhig.
Ernsthafte Probleme sieht er in
einer mittelfristigen Prognose erst für die Vermarktung des Jahrgangs 2002
in den Jahren 2003/04. Lambert „Egal, wie der wird, es wird schwierig
werden, ihn zu platzieren. Wird er schwächer, gehen die Preise
wahrscheinlich in den Keller. Wird er gut und kommt es zu einem
Jahrgangs-Trio, stösst der Markt aus heutiger Sicht möglicherweise an die
Grenze seiner Aufnahmefähigkeit auf diesem extrem hohen Preisniveau zumal
dann die Zahlenmagie des Milleniums und die damit verbundene Euphorie
verflogen sind und wieder Alltag einkehrt.“
Interessant auch seine Einschätzung,
welche der Premiers mit der Kampagne 2000 die Preismauer der 1000 Francs
tatsächlich nachhaltig gepackt haben. Lambert: „In meinen Augen nur Margaux,
Cheval blanc und Ausone.“ Sie hätten mit den Kult- und Boutiqueweinen Pétrus,
Le Pin, La Mondotte und Valandraud gleichgezogen, die dieses Level schon
früher erreicht hatten. Alle anderen hinkten mit mehr oder minder grossem
Abstand hinterher vor allem auch Mouton und Lafite. Mittelfristig sieht er
aber auch ein grosses Potenzial bei Latour. Lambert: „Der schläft - wie
immer .“
Bordeaux, 17. August 2000
Wettertelegramm aus Bordeaux
Die Gewitterfront, die am
Mittwoch und Donnerstag mit starken Regenfällen über Südwestfrankreich
hinwegzog, hat zwar in Bordeaux zu zahlreichen Kellerüberflutungen geführt
und in der Dordogne vorrübergehend 19.000 Haushalte vom Stromnetz getrennt,
aber in den Weinbergen keinerlei Schäden angerichtet. Im Gegenteil, ein
solcher Regen von zwei Tagen Mitte August ist immer sehr erwünscht bei den
Winzern, bringt er doch in der Phase zwischen Wachstum und Reifung nochmals
etwas Wasser, was vor allem die jüngeren Rebanlagen, die noch nicht so tief
wurzeln, dann benötigen. Am Freitag schien schon wieder die Sonne bei
hochsommerlichen Temperaturen
Bordeaux, 13. August 2000
Gute Chancen für den Jahrgang
2001
Getreu der alten französischen Winzerweisheit „août faît le moût „ (der
August macht den Most ) entscheiden die nächste drei, vier Wochen über die
Qualität des Jahrgangs 2001 in Bordeaux. Es ist der erste des neuen
Jahrtausends und auf das Ergebnis warten Winzer, Händler und Weinsammler
mindestens genauso gespannt wie auf den 2000er.
Die Frage lautet: Wird sich das
Pärchen-Phänomen der letzten Jahrhundertwende in einer neuen, noch
perfekteren Variante wiederholen? Folgt also auf die Legende 1899/1900
jetzt 2000/2001. Und geht die Millenium-Hausse dann weiter?
Die Vorzeichen stehen im Augenblick
ziemlich gut und zwar in allen Regionen gleichmässig. Bis jetzt lassen sich
keinerlei signifikante Unterschiede zwischen dem Médoc und dem Libournais
ausmachen. Selbst in Pessac-Leognan, das in den letzten Jahren meistens
klimatisch benachteiligt war, sind die Winzer angesichts des bisherigen
Witterungsverlaufs diesmal sehr positiv gestimmt. Die Wasserversorgung der
Weinberge sei überall gut.
Hier eine erste Zusammenfassung des
bisherigen Witterungsverlaufes durch unseren Korrespondenten René Lambert
aus Bordeaux: „Nach einem sehr guten, weil heissen und sonnigen Juni, war
der Juli nicht ganz so warm, aber immer noch besser als im Vorjahr. Die
ersten zehn Tage des August verliefen ohne Regen aber auch ohne echte Hitze.
Seit dem 11. August herrschen aber hochsommerliche Temperaturen von 30 Grad
und mehr. Allerdings kühlt es Nachts bis auf 13 Grad ab, erstklassige
Bedingungen also. Die Blüte war deutlich früher als normal und auch die
Bildung der Farbpigmente in den Beerenhäuten setzte früher ein als z.B. im
Jahrgang 2000. Zur Zeit sind die Trauben sehr gesund. Es gibt kaum
Anzeichen für Krankheiten.“
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